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Angst kann auch ansteckend sein

Die Ängste des Menschen basieren auch auf genetischen Komponenten. Die Entstehung und Ausprägung von Ängsten werden aber sehr stark von der Umwelt mitbestimmt, und daher kann man darauf auch Einfluss nehmen. Markus Hengstschläger weiß: „So nützlich viele dieser instinktiven, intuitiven Ängste über Jahrtausende waren, so sehr haben sie in unserer Zeit oft ihren Nutzen verloren beziehungsweise stehen uns sogar im Weg.“ Das ist von besonderer Bedeutung, weil Angst auch ansteckend ist und sich auf einen ganzen Freundeskreis, ein Netzwerk, eine Social-Media-Community oder auf eine ganze Belegschaft ausbreiten kann. So könnte es am Ende des Tages dazu kommen, dass ein Einzelner, obwohl der vielleicht gar keine Angst davor entwickeln würde, deshalb keine neuen Wege einschlägt, weil viele in seinem Umfeld davor Angst haben. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

Mut ist nicht einfach das Gegenteil von Angst

Um den individuellen Bedürfnissen des Menschen nach Selbstverwirklichung entgegenzukommen, muss daher ein seine Lösungsbegabung förderndes Umfeld geschaffen werden. Nur dadurch wird die Chance hochgehalten, dass jeder seine Potenziale ausschöpfen und seine Kreativität umsetzen kann, um auch neue Routinen zu wählen. Es gilt zu verhindern, dass die Ängste der Mehrheit dem Mut des Einzelnen entgegenwirken. Schon Theodor Fontane wusste: „Am Mute hängt der Erfolg.“

Mut ist nicht einfach das Gegenteil von Angst. Und wer mutig ist, ist nicht notwendigerweise frei von Angst. Mut könnte etwas mit der Beherrschung von Angst zu tun haben, auch unter Bedingungen, unter denen die Angst nicht komplett verschwindet. Markus Hengstschläger betont: „Es wäre sogar kontraproduktiv, Mut dadurch nachhaltig fördern zu wollen, indem man jegliche Ansätze von Angst bekämpft.“ Man würde dadurch sowohl die unglaublich antreibende Kraft der Angst als auch die Effekte der Angst auf die Leistungsfähigkeit verlieren.

Für neue Wege braucht man ein angemessenes Maß an Angst und Mut

Angst kann ein Problem, eine Fragestellung in einen anderen Rahmen bringen und dadurch möglicherweise genau jenen Perspektivwechsel bewirken, der notwendig ist, um neue kreative Lösungen dafür entwickeln zu können. Wenn man seine gerichteten bewährten Gefilde verlässt und einmal ein neues Konzept ausprobiert, kann durch die damit verbundenen emotionalen Veränderungen Kreativität entstehen, die jemand, für den solche Ansätze seine Komfortzone sind, nicht entwickelt.

Markus Hengstschläger fügt hinzu: „Umgekehrt darf die Angst davor, neue Wege zu gehen, nicht so groß sein, dass man dadurch letztendlich auf den alten Wegen bleibt. Ob unbegründet oder begründet, die Furcht vor dem Blamieren, davor, ausgelacht zu werden, vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes etc. muss soweit minimiert werden, dass der Startschuss Richtung neue Routen dadurch gegeben werden kann.“ Das angemessene Maß an Angst schärft die Sinne für kreative Ansätze, und das richtige Maß an Mut durch Sicherheit ist die Eintrittskarte dafür, neue Wege zu betreten. Quelle: „Die Lösungsbegabung“ von Markus Hengstschläger

Von Hans Klumbies

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